In letzter Zeit fühle ich mich aufgrund der vielen positiven Reaktionen auf meine Kampagne derart verankert im Aargau, dass fast vergessen ging, dass es mir wie vielen anderen Aargauern geht: Einer meiner Lebensmittelpunkte liegt in einem anderen Kanton, in meinem Fall die Uni Zürich. Und dieser geht es zurzeit ans Eingemachte – 100 Millionen „müssen“ eingespart werden. Müssen in Anführungszeichen, denn eigentlich wäre das Geld da. Der Kanton Zürich senkt genau wie der Aargau Steuern für Unternehmen, und alle anderen haben das Nachsehen. Um einen vermeintlichen Standortvorteil zu stärken, spart man bei allen anderen Standortvorteilen: gute Bildung, exzellente Gesundheitsversorgung, toller öV, effizientes Personal auf den Ämtern…

Aargau und Zürich grenzen an den Kanton Zug. Niemand kann ernsthaft behaupten, dass etwas tiefere Unternehmenssteuersätze hier ein wirklicher Standortvorteil seien. Wer die will, hat schon vor zwanzig Jahren den kurzen Weg an den Zugersee auf sich genommen. Die Steuersenkungen sind einfach nur knallharte Klientelpolitik für Firmen, die aus ganz anderen Gründen hier sind. Aber wer sagt schon Nein zu einer Steuererleichterung? Und für SVP und FDP, die Hauptschuldigen dieser asozialen Politik, sind Steuersenkungen die ideale Ausrede für Leistungskürzungen. Diese verringern die echten Standortvorteile, was dazu führt, dass nicht allzu viele Firmen in den Kanton ziehen, was wiederum die Sparpolitiker dazu verleitet, weitere Steuersenkungen zu fordern. Die Krise als selbsterfüllende Prophezeiung, sozusagen.

Erst wenn der letzte Lehrstuhl privatisiert ist und von McDonalds oder Shell gesponsert wird, erst wenn auch das letzte Spital seine Operationen gewinnbringend anbieten muss, erst wenn der letzte Regionalzug durch einen Billigbus ersetzt wird, werden FDP- und SVP-Parlamentarier einsehen, dass man Steuersenkungen nicht essen kann… Ach, wen will ich damit schon veräppeln? Sie werden es nie einsehen. Schliesslich verdienen sie und ihre Klientel daran. Und wenn die echten Firmen dann einmal mangels Infrastruktur abwandern und nur noch Briefkästen bleiben, sind die Sparpolitiker von heute schon lange nicht mehr im Amt.

Aber es bleibt noch Hoffnung: In Zürich fand gestern eine friedliche Demonstration gegen die Kürzungen bei der Bildung statt (im Bild: Elena Marti von den Jungen Grünen Zürich, mit etwas Aargauer Verstärkung). Und auch im Aargau stellen sich immer mehr Menschen gegen die destruktive Sparpolitik. Vom Lehrerverband über die Gewerkschaften der öffentlichen Hand bis zu einfachen Büezern: Mehr und mehr Menschen und Vereine schliessen sich der Kritik von Grünen und SP an und wehren sich gegen die Abwärtsspirale von Steuersenkungen und Leistungsabbau. Sorgen wir dafür, dass sich dieser Unmut auch in den Grossratswahlen niederschlägt!