Letzten Donnerstag stapfte ich erneut stundenlang durch Bibersteins malerische Hanglagen, für das Jurapark-Wildrosen-Inventar. Ich hatte eigentlich vor, mir ein Picknick im Schlossladen zu kaufen. Aber ich ging etwas später los als geplant, und als ich ankam, war der Laden (wie auch sämtliche Restaurants) geschlossen. Nicht willens, vierzig Minuten damit zu verschwenden, mir in Aarau ein Picknick zu holen, verbrachte ich meine Wanderung auf einer Art Paläo-Diät aus Bucheckern und Brombeeren, für die irgendwelche gelangweilten Millionenerben bestimmt ein Vermögen ausgegeben hätten. Mir hingegen führte meine kurze Fastenzeit wieder mal vor Augen, wie gut wir es in Punkto Essen haben.

Unser Essen hat einen guten Nährwert. Allemal besser als die Bucheckern und Wildkräuterwurzeln unserer Steinzeit-Vorfahren. Und dank einigermassen strengen Richtlinien ist es auch nicht so vollgepumpt mit Fett, Salz und Zucker, wie dies in anderen Ländern der Fall ist.

Unser Essen enthält vergleichsweise wenig Hormone und Antibiotika. Da gibt es noch etwas Verbesserungspotenzial, aber wenn wir mal kurz über den Atlantik blicken, können wir uns glücklich schätzen.

Unser Essen, zumindest das nachhaltig produzierte, bereichert unsere Landschaft. Die strukturreichen Weiden und Hochstammgärten, die ich heute durchstreifte, dienen der Artenvielfalt und der Ästhetik genauso wie der landwirtschaftlichen Produktion. Leider geht zurzeit der Trend bei vielen Bauern in Richtung grosse Monokulturen. Aber noch ist wenig verloren, und ich werde mich mit aller Kraft dafür einsetzen, dass solche kurzsichtigen Produktionsmethoden, mit denen Bodenqualität und Produktivität mit der Zeit stark abnehmen, sich nicht durchsetzen.

Kurzum: Unser Essen ist gut. Zu verdanken haben wir das nicht nur den Bäuerinnen, Verarbeitern und Verkaufsstätten, sondern auch einem dichten Geflecht von Richtlinien. Gesundheitsvorschriften, Qualitätsanforderungen, Subventionssysteme – bürokratische Monster, sagen libertäre Geister. Aber in Wahrheit sind diese Paragrafenwälder schlichtweg das einzige, was zwischen uns und amerikanischen Zuständen steht. Junkfood, Verlust von Anbauflächen, Antibiotikaresistenzen… Für mich sind etwas dickere Gesetzbücher ein deutlich kleineres Übel.

Die Wertschätzung unseres Essens ist allerdings nicht nur den Produzenten vorbehalten: Auch wir sollten mehr Sorge zu unserem Essen tragen. Wir schmeissen immer noch einen horrenden Teil davon weg, kaufen ziemlich unklug ein (zu viel aufs Mal, ohne Plan) und geben zu oft wegen ein paar Rappen Preisunterschied einem schlechteren Produkt den Vorrang. Klar, die Politik könnte hier noch ein paar falsche Anreize aus dem Weg räumen, aber schlussendlich müssen wir uns alle an der eigenen Nase nehmen und bewusster essen. Denn was da auf den Teller kommt, hat es verdient, dass wir ab und zu einen Gedanken daran verlieren.