Das Problem

Hochstamm-Obstgärten prägten über Jahrhunderte weite Landstriche in der ganzen Schweiz. Mit der Züchtung von leichter abzuerntenden Niederstammbäumen und den steigenden ästhetischen Anforderungen für Speiseobst verloren sie jedoch im letzten Jahrhundert an Attraktivität. Sie konnten sich nur noch im Jurabogen und in den Alpentälern in genügend grosser Zahl halten, wo sich die Böden schlecht für den Ackerbau eignen. Dort sind sie bis heute das letzte Refugium für einige bedrohte Arten wie Steinkauz, Gartenrotschwanz, Wendehals, Graues Langohr oder Grosse Hufeisennase. Dank grosszügigen Subventionen waren diese wertvollen Hochstammgärten bis vor Kurzem noch ziemlich wirtschaftlich. Nun aber machen die eingeschleppte Kirschessigfliege und die zunehmenden Wetterextreme den Obstbauern zu schaffen. Besonders Hochstamm-Kirschbäume werfen im Schnitt kaum mehr Gewinn ab. Seit einigen Jahren werden deshalb immer mehr Hochstamm-Obstbäume gefällt oder nicht mehr ersetzt. 

Organisationen wie BirdLife, Jurapark Aargau und Hochstamm Suisse versuchen, mit finanziellen Zuschüssen und Absatzförderung gegen diesen Trend vorzugehen. Dies ist begrüssens- und unterstützenswert, hat aber leider kaum das Potenzial, das Verschwinden der Hochstammgärten ganz aufzuhalten.

Graues Langohr ( Plecotus austriacus ), kommt im Aargau nur noch in den Hochstammgärten des Juraparks vor. Foto: Oekovision GmbH, Widen

Graues Langohr (Plecotus austriacus), kommt im Aargau nur noch in den Hochstammgärten des Juraparks vor.
Foto: Oekovision GmbH, Widen

Traditioneller Kirschen-Hochstammgarten. Foto: Jurapark Aargau

Traditioneller Kirschen-Hochstammgarten.
Foto: Jurapark Aargau

Junger Hochstammgarten im Winter. Foto: Jurapark Aargau

Junger Hochstammgarten im Winter.
Foto: Jurapark Aargau

Das Projekt

Glücklicherweise sind all diese bedrohten Vogel- und Fledermausarten nicht direkt auf Obstbäume angewiesen. Solange eine lockere Baumsavanne mit genügend Grossinsekten bestückt ist, wird sie gerne als Lebensraum angenommen. Die Bäume könnten also genauso gut auch Eichen oder Hagebuchen sein. 

Seit einigen Jahren werden Eichen und Hagebuchen von der Firma TrüffelGarten Schweiz als Trüffelbäume gezüchtet und verkauft. Diese Bäumchen leben in einer Symbiose mit Trüffeln: Ungefähr 50% von ihnen behalten diese Symbiose auch als erwachsene Bäume noch bei und geben jedes Winterhalbjahr Trüffel. Sie benötigen keinen jährlichen Beschnitt, kaum Schädlingsbekämpfungsmassnahmen und ausser etwas Mulch in jungen Jahren keine Düngung. Und nicht nur die Pflege ist leichter, sondern auch die Ernte: Statt mühsamem Hochklettern reicht ein Spaziergang mit dem Hund. Die Ausbildung zum Trüffelhund ist wesentlich leichter, als man vermuten könnte, und fast jeder männliche Hofhund eignet sich dafür.

Trüffelbäume geben zwar ebenfalls keine gleichmässigen Erträge. Einige Jahre sind ertragreich, andere weniger. Aber die Voraussetzungen dafür sind nicht dieselben wie für Obstbäume, so dass Verluste mit Obst durch Gewinne mit Trüffeln ausgeglichen werden können, und umgekehrt. Ein gemischter Hochstammgarten mit Trüffel- und Obstbäumen könnte in den meisten Jahren gute Gewinne abwerfen und wäre weitaus konstanter als ein reiner Obstgarten oder eine reine Trüffelplantage. Und nebenbei bemerkt auch noch ökologischer, da besonders Eichen mehr Tierarten einen Lebensraum bieten als Obstbäume. 

Mit meiner neuen Berechnungstabelle (zum Gratis-Download im Kasten rechts) können Sie berechnen, ob sich ein Trüffel-Hochstammgarten auf Ihrem Betrieb lohnen könnte. Sieht Ihre Berechnung vielversprechend aus? Möchten Sie den Schritt wagen und den schweizweit ersten Trüffel-Hochstammgarten anlegen? Ich stehe Ihnen gerne mit Rat und Tat zur Seite, vollkommen gratis. Mein Interesse an diesem Projekt ist rein wissenschaftlich. Schicken Sie mir einfach eine Mail an: daniel.ballmer@uzh.ch

In meiner Arbeit für die Berechnungstabelle unterstützte mich mein ehemaliger Arbeitgeber, der Jurapark Aargau, freundlicherweise mit Fakten, Fotos, Geld und einem grossen Artikel in der Jurapark-Zytig #28. Herzlichen Dank!

Das Produkt

Hochstamm-Berechnungstabelle (Excel)

Zusatzinformationen zu Landschaftsqualitätsbeiträgen, Erntehilfen, Obstvermarktung und mehr (PDF, Quelle: Jurapark Aargau)

Artikel in der Jurapark-Zytig #28 (PDF, ab Seite 19)

Die Vollkostenrechnung für Hochstammgärten bezieht alle möglichen Faktoren mit ein, die Sie nach Gutdünken auch an die Gegebenheiten Ihres Hofs anpassen können. Noch nie war eine Berechnungstabelle für Hochstammgärten so detailliert... und dazu noch vollkommen gratis.

Daten wie Erträge verschiedener Qualität in durchschnittlichen und schlechten Jahren, Arbeitsstunden nach Lohnkategorie und Jahreszeit, regionalspezifische Subventionen sowie Fixkosten pro Hof und pro Baum sind mit einbezogen.

Sie sind Landwirt im Aargau und haben Interesse, an einem gratis betreuten Pilotprojekt für Trüffel-Hochstammgärten teilzunehmen? Schreiben Sie mir: daniel.ballmer@uzh.ch

Anmerkung zu den Zusatzinformationen: Da Trüffelbäume nur im Alter von einem Jahr verkauft werden, kann ihr Ankauf leider nicht über das LQ-Projekt des Kantons Aargau finanziert werden. Sie sind in diesem Alter noch zu klein, um den Anforderungen des Kantons zu genügen.

Trüffel aus dem Aargauer Jura Foto: Jurapark Aargau

Trüffel aus dem Aargauer Jura
Foto: Jurapark Aargau