Wenn die Energiewende wirklich gelingen soll, ist ein möglichst rascher und weitgehender Umstieg von Auto, Lastwagen und Flugzeug auf den öffentlichen Verkehr unumgänglich. Leider geht unsere derzeitige Politik komplett in die Gegenrichtung: Die öffentlichen Kassen für Strassen sind prall gefüllt, und die öV-Billetpreise sollen steigen. Und während man Flugreisen mit ein paar wenigen Klicks im Internet buchen kann, sind Zugreisen ins Ausland immer noch sehr oft mit mindestens einer Stunde am Bahnschalter verbunden.

Gleichzeitig schränken unsere teuren öV-Billete arme und junge Menschen auf dem Land in ihrer Bewegungsfreiheit ein und fördern Zersiedelung und längere Wege. Das ist ein perfider Teufelskreis: Wo das Auto ohnehin günstiger ist als der öV, gibt es keinen Grund, sich einen zentral gelegenen Wohnort zu suchen. Die tieferen Wohnungspreise ziehen viele ärmere Menschen in zersiedelte Agglomerationsräume, wo sie vom Auto abhängig bleiben und das schmale öV-Angebot so wenig nutzen, dass es schmal bleibt. Wenn dort die nächste Generation heranwächst, ist sie ebenfalls auf das Auto angewiesen.

Ich träume von einer Schweiz, die den öffentlichen Personenverkehr vollständig solidarisch über das Bundesbudget finanziert und ihn so konkurrenzfähiger macht als das Auto. Ich wünsche mir ein Land, in dem jeder und jede gratis und unkompliziert Züge, Busse, Trams und Kursschiffe benutzen kann. So senken wir unsere Kohlenstoffemissionen und bekämpfen erst noch die Zersiedelung und die soziale Ungleichheit.*

Ebenso fordere ich, dass die SBB in Zusammenarbeit mit ihren ausländischen Pendants ein elektronisches Buchungssystem entwickelt, mit dem Zugreisen quer durch Europa so schnell und bequem gebucht werden können wie Flugreisen heute – und zwar gleich mit Übernachtungen und Bus-Anschlüssen. Technisch ist das ohne weiteres möglich.

* Das geschieht natürlich nur, wenn auch mehr Menschen zentral wohnen können. Was wir dazu benötigen, sind gute Verdichtungsstrategien in den urbanen Zentren sowie ein Ende des Steuerwettbewerbs und eine faire Verteilung der Steuergelder, damit die kleineren Gemeinden keinen Anreiz mehr haben, abgelegene Wohnunüberbauungen im Grünen zu bewilligen.