Die Schweizer Naturräume werden zerschnitten von Tausenden dicht befahrenen Strassen und Bahnlinien, intensiver Landwirtschaft und dichten Agglomerationen. Naturschutz und Renaturierungen gibt es, aber meist auf irgendwelchen kleinen Restflächen, die nicht wirtschaftlich genutzt werden können. In der Folge sind Tausende von Tier- und Pflanzenarten praktisch aus dem Mittelland verschwunden, und auch in den dichter besiedelten Gebieten in Alpen und Jura gehen sie stark zurück. Besonders stark betroffen sind Tiergruppen, die auf gut vernetzte Lebensräume angewiesen sind und in kleinen isolierten Gebieten nicht überleben können – beispielsweise Schmetterlinge, Grashüpfer oder Grossraubtiere.

Ich träume von einer Schweiz, die wieder ein durchgängiger Lebensraum für all ihre Tier- und Pflanzenarten ist. Ich wünsche mir langfristig eine Schweizer Raumplanung, die Siedlungen und Landwirtschaftsland als Inseln in der Natur plant und die Vernetzung von Naturräumen genauso hoch bewertet wie die Verkehrsanbindung von Siedlungen.

Als Sofortmassnahme könnten grossräumige Natur-Korridore zwischen Alpen und Jura eingerichtet werden. Vier Stellen eignen sich dafür ganz besonders: Das Mittelland zwischen den Fribourger Alpen und dem Parc Jura Vaudois, der Lauf der Aare zwischen Thuner- und Bielersee, das Gebiet zwischen Napf und Naturpark Thal, und der Lauf von Thur und Hochrhein zwischen Alpstein, Schaffhausen und Aargauer Jura. Dort könnten die grossen Verkehrsachsen streckenweise in den Untergrund verlegt oder mit breiten Grünbrücken überbrückt werden. Überschwemmungsgefährdete Quartiere könnten mittels Landabtausch verlegt und renaturiert werden. Landwirtschaftsland könnte über weite Strecken auf pestizidfreie Mischkultur umgestellt werden.

Wichtig ist auch, dass Flusskraftwerke da stehen, wo sie am meisten Sinn ergeben und der Natur am wenigsten in die Quere kommen. Heute stehen viele an Orten, wo sie historisch für eine Fabrik gebaut wurden. Aus diesen Standorten ergeben sich teilweise Hochwasserrisiken (beispielsweise in Aarau) und vielerorts fehlt der Platz für anständige Umgehungsgewässer. Eine Umplatzierung wird dadurch verhindert, dass die Kraftwerke verschiedenen Firmen gehören, die sich nicht koordinieren. Ich fordere deshalb eine Verstaatlichung aller Flusskraftwerke und eine langfristige Neuplanung ihrer Standorte.