Eines der Probleme, denen wir am hilflosesten begegnen, ist der Niedergang der Randregionen. Wir buttern Milliarden in die Berggebiete, um sie so zu erhalten, wie sie sind – und können die Landflucht trotzdem nicht aufhalten. Dabei ist die Bewirtschaftung der Alpen, wie wir sie heute kennen, keineswegs eine uralte Tradition. Wer sich die Geschichte der Alpen ansieht, findet eine dynamische, kreative Gesellschaft im ständigen Wandel. Dörfer wurden je nach Situation neu gegründet, vergrössert, verkleinert, verschoben, zusammengelegt oder ganz aufgegeben. Auch die Wirtschaft veränderte sich immer wieder. Unsere Bergkantone vermochten sich immer neuen Realitäten anzupassen.

Daraus können wir für die Zukunft lernen. Wie man es auch dreht und wendet: Für die dringendsten Wünsche der Randregionen – Arbeitsplätze in der Region, gute Verkehrsanbindung, nahe Schulen – sind ihre Ortschaften zu klein und zu weit auseinander. Wir stecken viel Geld in Täler, in denen fünf oder zehn Dörfer trotzdem nicht vom Fleck kommen.

Ich träume von einer mutigeren Politik in Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung, die Lösungen jenseits des Status quo sucht. Mit demselben Geld, anders eingesetzt, könnten wir aus zehn kleinen sterbenden Dörfern ein mittelgrosses, lebendiges schaffen, das auf eigenen Füssen steht. Mittels Sensibilisierungskampagnen, kluger Planung und Landabtauschen könnten wir Tälern, die überleben wollen, eine Zukunft bieten. Eine Zukunft, die für Dorfleben, Wirtschaft und Natur nur Positives bietet. Ich bin mir sicher, dass wir mehrere Regionen für ein Pilotprojekt begeistern könnten. Und wenn dieses Projekt gelingt, werden die meisten anderen nachziehen. Kein Tal will ewig vor sich hin serbeln.