Wenn es einen Bereich gibt, in dem die Schweiz in den letzten Jahrzehnten eine weltweite Vorreiterrolle eingenommen hat, dann ist es die Suchtpolitik. Dank dem Engagement von Ruth Dreifuss und zahlreichen Menschen aus Medizin, Politik und sozialer Arbeit haben wir praktisch flächendeckend die kontrollierte Heroinabgabe eingeführt. Das Resultat ist überwältigend: Die Beschaffungskriminalität und -prostitution von Heroinabhängigen ist praktisch verschwunden. Ebenso Todesfälle durch Überdosen oder verunreinigtes Heroin – diese Phänomene verschwinden, wenn die Droge eine konstant hohe Qualität hat und dadurch berechenbar wird. Die meisten Schweizer Heroinabhängigen sind normal berufstätig, und viele sind über das staatliche Methadonprogramm von ihrer Sucht weggekommen. Diese Geschichte gilt inzwischen international als Vorbild für eine fortschrittliche und effektive Drogenpolitik.

Warum ist es beim Heroin geblieben? Warum behandeln wir alle anderen Drogen von Kokain über LSD bis Cannabis weiterhin mit untauglichen, rein strafrechtlichen Mitteln, statt auch ihren Konsum endlich als das anzuschauen, was er wirklich ist? Bei etwa 90% der Konsumierenden jeglicher Drogen ist der Konsum gelegentlich und unproblematisch, beim Rest ist er ein Symptom eines neuropsychologischen Problems. Währenddessen pumpt die Kriminalisierung der Drogen jedes Jahr Milliarden in die Taschen der schlimmsten Drogenkartelle, die damit den Tod von Zehntausenden Menschen verursachen.

Ich träume von einer Schweiz, die jede Art von Sucht als medizinisches Problem angeht und nicht als strafrechtliches. Ich wünsche mir eine Dekriminalisierung aller Drogen, von einem Aufbau kontrollierter legaler Produktionsstätten und Handelsnetze und dem damit einhergehenden Niedergang der Drogenkartelle. Dies wäre ein mutiger und kontroverser Schritt, aber ein goldrichtiger.