Das Feld der Genetik hat in den letzten Jahrzehnten derart riesige Fortschritte gemacht, dass die politische Diskussion darüber ziemlich hilflos erscheint und von rekordverdächtig tiefem Fachwissen geprägt ist. Dies führte in manchen Ländern zur unkritischen Zulassung vieler stümperhaft manipulierter Nutzpflanzen. In anderen wiederum, darunter die Schweiz, wurden gentechnisch modifizierte Pflanzen gleich ganz verboten. Richtig ist keiner der beiden Wege.

Das Problem ist, dass Gentechnik nicht so eingesetzt wird, wie sie Sinn ergeben würde. Der Grossteil der Werke von Monsanto, Syngenta & Co. sind Nutzpflanzen, die gegen ein Herbizid immun gemacht wurden, damit ihr Saatgut und das Herbizid zusammen teuer verkauft werden können. Diese Art Manipulation ist sehr einfach, aber gefährlich für Umwelt und Gesundheit und zudem überhaupt nicht nachhaltig, weil sich Unkräuter innert weniger Jahre an das Herbizid anpassen. Eine weitere verbreitete Manipulation ist das Einsetzen des BT-Komplexes. Dieser Genkomplex, ursprünglich aus einem Bakterium, produziert ein mehrstufiges Gift, das wirksam allerlei Insekten bekämpft. Wenn aber die ganze Pflanze dieses Gift produziert, trifft sie damit auch nützliche Insekten wie Bestäuber.

Es gäbe durchaus sinnvolle Einsatzmöglichkeiten für Gentechnik. Als vor einigen Jahren ein Virus die weltweiten Papaya-Bestände bedrohte, setzten Forscher der Papaya eine direkte Resistenz gegen den Virus ein und retteten sie so, ohne jede schädliche Nebenwirkung. Denn die Resistenz-Gene verhinderten den Befall dieses einen Virus, und nichts anderes. Dasselbe wird derzeit mit der Amerikanischen Kastanie und der Banane versucht, die beide Gefahr laufen, von eingeschleppten Pilzkrankheiten komplett ausgerottet zu werden. Und hierzulande könnten Ulme und Esche so vor demselben Tod bewahrt werden. Ebenso könnten wir mit Gentechnik Pflanzen schaffen, die in einem anderen Klima wachsen können, weniger Wasser verbrauchen, mehr Kohlenstoff binden, Schwermetalle aus dem Boden unschädlich machen oder mehr von einem gewissen gesunden Inhaltsstoff produzieren. Im Kampf gegen Vitaminmängel, Umweltverschmutzung und Klimawandel hätte die Gentechnik durchaus ihren Platz. Sogar BT-Pflanzen könnten praktisch ohne negative Nebeneffekte funktionieren. Es wäre möglich, diese Pflanzen so auszurüsten, dass sie das Insektengift nicht in den Blüten und Früchten produzieren.

Der Haken an all diesen Möglichkeiten: Die meisten von ihnen benötigen Eingriffe an mehreren Stellen in der DNA. Private Unternehmen wie Monsanto müssen in vielen Ländern jeden einzelnen Eingriff und jede Wechselwirkung zwischen Eingriffen in die Zulassung schicken. Für sie bedeuten Eingriffe an mehreren Genen einen beträchtlichen Zusatzaufwand. Kurz gesagt: Für Weltkonzerne ist es viel lukrativer, mit einem einzelnen Gen zu pfuschen, als sicherere Methoden anzuwenden.

Ich träume von einer differenzierten, angstfreien, wissenschaftlich begründeten Gentech-Politik, die auf private Billig-Forschung getrost verzichtet und dafür die universitäre Forschung fördert. Eine Politik, die Schwachsinn wie Pestizidresistenzen oder giftige Blüten weiterhin streng verbietet, aber in begründeten Fällen auch einmal eine gentechnisch veränderte Nutzpflanze zulässt und die Bevölkerung darüber aufklärt. Die ganze Gentech-Diskussion darf nicht so unfundiert weitergeführt werden wie bisher. Sonst besteht die Gefahr, dass die Grosskonzerne die Stimmung drehen könnten und auch hier freie Hand kriegen für ihre schlechtesten Experimente.