Die letzten hundert Jahre Schweizer Landwirtschaftsgeschichte sind eine Geschichte des Kampfs gegen natürliche Dynamiken. Wer Hunderttausende genetisch identische Pflanzen nebeneinander ziehen will, muss gegen Krankheiten und Insekten vorgehen, und er laugt mit seiner Monokultur unweigerlich den Boden aus. Hundert Jahre Kunstdünger und Pestizide haben uns zwar recht hohe landwirtschaftliche Erträge beschert, aber auch Hunderte von Tier- und Pflanzenarten im Mittelland ausgerottet, unser Wasser verseucht und ganze Landstriche überdüngt.

Das geht viel besser. Wer mit Vielfalt arbeitet statt gegen sie, hat höhere Erträge und viel kleinere Umweltschäden. Versuche rund um die Welt zeigen, dass Mischkulturen mit hoher Sortenvielfalt die höchsten und stabilsten Erträge pro Flächeneinheit bringen. Und dies in jeder einzelnen Sparte – vom Frucht-, Gemüse- und Getreideanbau über Wiesen bis hin zur Forstwirtschaft. Das Problem: Mischkulturen sind meist arbeitsintensiver als Monokulturen, und Arbeit ist teuer. Aber das ist nur so, weil die meisten Landmaschinen eigens für Monokulturen entwickelt wurden.

Ich träume von einer Schweizer Landwirtschaftspolitik, die unseren Bauernbetrieben neues Leben einhaucht und nicht nur den schädlichen und teuren Status quo finanziert. Ich träume von einem Bundesamt für Landwirtschaft, das in die Entwicklung von leichten, selbstfahrenden Landmaschinen investiert, die mit Mischkulturen zurechtkommen und den Boden nicht verdichten. Ich träume von einer Landwirtschaftspolitik, die giftfreie Produktion, Sortenvielfalt und erprobte Mischkultur-Strategien mit mehr als bloss schönen Worten fördert. Einer Politik, die umweltschädliche Produktionsformen gar nicht mehr finanziert und die Bauern und Bäuerinnen entsprechend weiterbildet.

Aus diesen Gründen unterstütze ich die Pestizid-Initiative, die Trinkwasser-Initiative und die Doppelinitiative Biodiversität und Landschaft der Umweltverbände. Alle drei sind nötige Schritte in die richtige Richtung.